Der Osterleuchter

Ein kleiner Rundgang durch unserer Pfarrkirche St. Marien

Pfarrkirche St. Marien, Lüneburg

Der Osterleuchter – Gott auf dem Antlitz des Menschen

Beachten Sie bitte auch unsere Artikel über die Geschichte der Umbauarbeiten des Altarbereichs und über den Zusammenhang der Kunstwerke untereinander.

 

Ostern – Eine Einführung

Das Osterfest ging aus dem jüdischen Paschafest hervor, erhielt für die Christen aber eine neue Bedeutung: Am Karfreitag schien für die Jünger Jesu alles am Ende zu sein: Ihr Herr und Meister wurde gekreuzigt. Bei zahlreichen seiner Jünger, aber auch bei anderen Menschen setzte sich jedoch die Überzeugung durch, der Gekreuzigte und damit scheinbar von Gott Verfluchte sei von Gott wieder erweckt worden, er sei ihnen erschienen und lebe als Herrscher der Endzeit bereits bei Gott. Diese Überzeugung wurde zunächst etwa in folgende Worte gefasst: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas [Petrus], dann den Zwölf“ (1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther, Kapitel 15, Verse 3-5). Die Auferweckung Jesu Christi ist der eigentliche Gegenstand des christlichen Glaubens. Von daher ist Ostern das Hauptfest der Christenheit.

Der Osterleuchter in St. Marien – Beschreibung

Der Leuchter der Osterkerze ist als brennender Dornbusch gestaltet; immer wieder sieht man Dornen, Blätter und Blüten, die das Feuer nicht verzehrt. Am oberen Rand des Schafts lodern Flammen. Der Fuß des Leuchters stellt in einer Mandorla den Moses dar, der barfuß und in Gebetshaltung vor diesem brennenden Dornbusch kniet und Gott die Ehre gibt.

 

Der Osterleuchter in St. Marien – Zur Deutung

In der dazugehörigen biblischen Szene (Buch Exodus [2. Buch Mose], Kapitel 3, Vers 1, bis Kapitel 4, Vers 17) fragt Moses am brennenden Dornbusch nach dem Geheimnis Gottes. Im unzugänglichen Feuerlicht offenbart sich Gott dem Moses als „Jahwe“, als der, „der für die Menschen da ist“.

Der Leuchter trägt die Osterkerze, ein Sinnbild für Jesus Christus, das Licht, das „das Dunkel der Herzen vertreibt“, wie es in der Liturgie der Osternacht heißt, in der wir Christen die Auferstehung Jesu Christi feiern. Seitdem bekennen wir Christen, dass Gott ein Gott für die Menschen ist. Die Osterkerze mit den angedeuteten Wundmalen Jesu Christi verdeutlicht uns, dass er für uns das Licht der Welt ist. Jedes Jahr neu bezeugen wir es als die Grundlage unseres Glaubens.

 

Zum Osterleuchter sagt der Künstler Josef Baron in seinem Vortrag „Die Bildwerke von St. Marien“, der im Pfarrbrief St. Marien Lüneburg, Nr. 289, vom 19. Oktober 1980 abgedruckt wurde:

„[…] der Osterleuchter, dargestellt als brennender Dornbusch, am Fuß Moses. […] Denen, die im Schattenreich des Todes waren, ist ein Licht erschienen. Die Dornbuscherscheinung des Moses auf dem Angesicht eines Menschen: Jesus Christus! Die Weisheitslehren Jesu stehen immer im großen Kontext seiner Erscheinung, seines Lebens. Nehmen wir als Beispiel die Szene von der Verklärung. Hier wird die Erschaffung der Welt gegenwärtig. ‘Es werde Licht’, sprach Gott bei der Erschaffung der Welt. In Jesus wird diese Welt neu erschaffen, Jesus ist die neue Welt Gottes. Hier wird das Geschehen am Sinai gegenwärtig. Moses geht auf den Berg und begegnet Gott. Als er zurückkommt, spiegelt in seinem Antlitz die Herrlichkeit Gottes. Er ist Gott begegnet. In Jesu ist Gott mit seinem Glanz gegenwärtig. ‘Dieser ist mein geliebter Sohn’, ruft die Stimme vom Himmel. Damit wird Jesus als Sohn Gottes offenbart.

Was die Ostererscheinungen verkünden, was das Christentum bedeutet, hier hören wir es: Gott auf dem Antlitz des Menschen. Und dieser gibt seine Lehren. Hören auf Jesus ist alles. […]“

Seit dem Jahr 1998 wird in unserer Gemeinde die Osterkerze von einer jährlich wechselnden Gruppe gestaltet. So bildet auch die Osterkerze die Vielfalt des Lebens und Glaubens in unserer Gemeinde ab.

Bilder unseres Osterleuchters und von Osterkerzen vergangener Jahre finden Sie hier.