Die Kirchenfenster

Ein kleiner Rundgang durch unserer Pfarrkirche St. Marien

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: das linke Chorfenster

Die Kirchenfenster – Person und Leben Marias, in leuchtenden Farben erzählt

Beachten Sie bitte auch unsere Artikel über die Geschichte der Umbauarbeiten des Altarbereichs und über den Zusammenhang der Kunstwerke untereinander.

 

Die Fenster der St.-Marien-Kirche – Zur Vorgeschichte

Etwas mehr als 30 Jahre nach der Einweihung der St.-Marien-Kirche waren die Stahlrahmen der Kirchenfenster bereits so verrostet, dass sie nicht mehr zu erhalten waren. Die vorhandenen Verglasungen konnten bei der notwendigen Rahmenerneuerung nicht erhalten werden. Die Fenster mussten also komplett erneuert werden.

Im Einvernehmen mit der kirchlichen Bauabteilung des Bistums Hildesheim schrieben Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand einen eingeschränkten Künstlerwettbewerb aus und baten vier Künstler/innen um Entwürfe für die Fenster.

Die neuen Fenster sollten aussagestark sein und, in direktem Bezug zur Kirchenpatronin, Person und Leben Mariens zum Inhalt haben: Maria sollte in ihnen durch Zeichen, Bilder und Symbole als Himmelskönigin, als Schutzgebende, als Lebensspenderin und als Mutter Gottes Ausdruck und Darstellung finden. Die neuen Fenster durften aber auch die Aussagekraft der Bronzeplastiken nicht stören und mussten zu den Fenstern in der Marienkapelle und hinter der Orgel passen; Vorhandenes und Neues sollten eine Einheit bilden.

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: ein Fenster aus dem oben umlaufenden Fensterkranz

Überzeugender Neuentwurf

Die Künstlerin Gabi Weiß aus Stuttgart konnte mit ihrem Entwurf, der weder Dekoration noch Illustration war, die beteiligten Gremien überzeugen; auch die Pfarrversammlung in St. Marien entschied sich mehrheitlich für ihren Entwurf. Aufgrund dieser Sachlage beschloss der Kirchenvorstand am 26. Oktober 1994 die Neugestaltung der Kirchenfenster. Mit der Umsetzung wurde die Glasmaler-Firma Peters in Paderborn beauftragt.

Die Fenster der St.-Marien-Kirche – Zur Beschreibung

Die von der Künstlerin Gabi Weiß entworfenen Fenster sind weitgehend abstrakt, kaum gegenständlich. Deshalb geht die größte Wirkung von den Farben aus. Neben Weiß sind Gelb- und Orangetöne die beherrschenden Farben der Fenster; diese reichen von ganz blassen über satte dottergelbe bis hin zu ockerfarbenen, im Licht der Sonne golden wirkende Schattierungen. Sie lassen viel Licht herein und tauchen die Kirche – je nach Stand der Sonne – in verschiedene Farbspiele. Mit diesen Farben assoziieren viele Menschen die Sonne, das Leben und die Freude; Gelb gilt auch als die Farbe der Glückseligkeit und der Auferstehung Jesu Christi.

 

Über den Chorfenstern ist ein umlaufendes Oberlichtband zu sehen. Das gelbe Zackenband in den Oberlichtfenstern erinnert an die Marienkrone vom Kirchendach und an das „M“ von Maria.

Aus den beiden Chorfenstern erhebt sich aus dem strahlenden farblichen Grund ein blaues Band. In dem senkrechten blauen Band befinden sich verschiedene Symbole, die teilweise pflanzliche Gebilde sind. Dieses Band wird in den Oberlichtverglasungen von einem weiteren blauen Band gekreuzt (wie Balken und Querbalken bei einem Kreuz), das ebenfalls einmal um die Kirche verläuft, genauso durchbrochen wie das gezackte gelbe Band.

Die Fenster der St.-Marien-Kirche – Zur Deutung

Am zweiten Adventssonntag, dem 10. Dezember 1995, feierte die Gemeinde mit vielen Gästen in einem Festgottesdienst die gelungene Renovierung der Kirche; in den vergangenen Wochen waren die neuen Kirchenfenster eingebaut worden. Nur in der Marienkapelle und hinter der Orgel sowie im Eingangsbereich der Kirche waren die ursprünglichen Kirchenfenster erhalten geblieben.

Bei dieser Gelegenheit äußerte sich Frau Weiß zu den von ihr entworfenen Fenstern; im Sonderpfarrbrief Nr. 671 vom 17. Dezember 1995, findet man ihren Beitrag, aus dem hier zitiert werden soll:

 

Die Fenstergestaltung sollte für mich das Leben und die Person der Maria zum Inhalt haben […] Die beiden Chorfenster mit den großen gelben Flächen tragen die Marienkrone, die als gezacktes Band rund um die Oberlichtverglasung läuft. Die Krone ist in Begleitung des blauen Lebensbandes, das sich bis in die beiden Chorfenster herunterzieht. Dieses blaue Band – in der christlichen Farbsymbolik steht blau für die Person Maria – war für mich die Möglichkeit, ein Leben, das Leben der Maria, wie in einem Lebenslauf zu malen. Das Band enthält fremde, unbekannte Zeichen, Schriftzeichen, Bilder, Symbole, Zeichen, die für mich zur Person der Maria gehören. […] Im Band sollte aber auch erwähnt sein, dass die Geburt Jesu der tragende Moment im Leben der Maria war, von welchem aus ihr Leben eine ganz andere Richtung eingeschlagen hat, nämlich Mutter Gottes zu sein.

An anderer Stelle sagt die Künstlerin Gabi Weiß:

Wenn Sie nun das blaue Band genauer betrachten, so stellen Sie fest, dass ich die ganze blaue Fläche mit Schwarzlot und Silbergelb bemalt habe. Sie entdecken seltsam fremde, unbekannte Schriftzeichen, vereinzelt Figuren, Rosen, Schlangen, Linien, die kreuzen, Linien, die begleiten, helle Teile, dunkle Teile, also Licht- und Schattenseiten eines Lebens. All diese Zeichen und Symbole, Bilder und Piktogramme sollen andeutungsweise einen Lebensweg beschreiben, den Lebensweg Mariens. Dazu gehört vor allem die Geburt Jesu, der Stamm, die Wurzel, die ein so ereignisreiches Leben, wie das der Maria geprägt haben. Und genau dieses Bild habe ich im linken Fenster unten im blauen Band vermitteln wollen. Ganz unten an der Wurzel erkennt man ein Kind, einen Fötus, Zeichen für die Geburt Jesu, das Kreuz in der Krone, Erinnerung an den Tod Jesu; Andeutung an den Schmerz, den eine Mutter empfinden muss, wenn sie ihr Kind am Kreuz sieht. Dieses Kind, das aber auch ihr die Stellung in der kath. Kirche verlieh, nämlich die Stellung der Regina, der Himmelskönigin.

Im Festgottesdienst hielt der frühere Superintendent von St. Johannis, Martin Voigt, statt einer Predigt eine eindrucksvolle Betrachtung über diese neuen Fenster.

Glasmaler Peters zeigte der Gemeinde schließlich an mitgebrachtem Rohmaterial anschaulich die Technik der Glasmalerei.

Bilder unserer Kirchenfenster finden Sie hier.

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: das linke Chorfenster

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: das linke Chorfenster

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: das rechte Chorfenster

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: das rechte Chorfenster

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: ein Fenster aus dem oben umlaufenden Fensterkranz

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: ein Fenster aus dem oben umlaufenden Fensterkranz

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: Detail aus einem der Chorfenster

Die Fenster von St. Marien, geschaffen von Gabi Weiss, hier: Detail aus einem der Chorfenster