Der Ambo – Anmerkungen zum Hochfest Pfingsten

Ein kleiner Rundgang durch unserer Pfarrkirche St. Marien

Pfarrkirche St. Marien, Lüneburg

Vorbemerkungen zu Pfingsten

Das Pfingstfest ist eins von drei christlichen Hochfesten (neben Weihnachten und Ostern). Er ist der Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes und damit die „Geburtsstunde der Kirche“.

Inhaltlich geht das Pfingstfest auf ein Ereignis an Schawuot zurück. Schawuot, das jüdische „Wochenfest“, war ein Erntedankfest (Weizenernte) und zugleich ein kleines Wallfahrtsfest, d.h. viele Juden pilgerten aus diesem Anlass nach Jerusalem. In jüdisch-hellenistischen Kreisen wurde es auch „Pentekoste“, also „Fest des fünfzigsten Tags“ genannt, weil es fünfzig nach dem Pascha-Fest stattfindet, woraus die christliche Bezeichnung Pfingsten hervorging. Zu neutestamentlicher Zeit wurde das „Wochenfest“ v.a. als Fest der Offenbarung Gottes am Sinai, wo Mose von Jahwe die Zehn Gebote empfing sowie die Berufung Israels zum Gottesvolk, gefeiert.

Damals war in Jerusalem eine Legende in Umlauf. Danach hat es bei dieser Übergabe der Zehn Gebote einen Feuersturm gegeben, dessen Flammen sich in göttliche Worte verwandelt hätten. Diese göttlichen Worte wiederum seien von 70 verschiedenen Völkern, die dort am Sinai versammelt gewesen seien, in ihren Sprachen vernommen worden.

Pfingsten – das Fest von „Sturm“ und „Feuer“

Nach den Erzählungen der Apostelgeschichte (Kapitel 2, Verse 1-13) geschah beim „Pfingstereignis“ oder „Pfingstwunder“, wie es manchmal auch genannt wird, Folgendes:

An diesem ganz normal beginnenden Tag endete für die Jünger Jesu Christi, die nach dessen Tod und Auferweckung verschreckt waren und sich aus Angst vor Verfolgungen versteckt hielten (auch an diesem Tag waren sie in einem Haus versammelt), die Zeit ihrer Furcht und Verschlossenheit. Der sie erneuernde und stärkende Heilige Geist wurde über ihnen ausgegossen, was in kraftvollen Bildern vom „Sturm“ und „Feuer“ erzählt wird, beide vom Alten Testament her bekannt als Zeichen der Nähe Gottes: Vom Himmel hörten sie ein Brausen, und Feuerzungen gingen auf die Männer nieder. Dieses von außen auf sie zukommende Geschehnis beendete ihre selbst gewählte Isolation und bewirkte, dass sie plötzlich in vielen Sprachen reden konnten. Daraufhin verkündeten sie Jesus Christus öffentlich und ohne Angst allen Pilgern, die sich aus vielen Ländern der jüdischen Diaspora in Jerusalem aus Anlass des Wallfahrtsfestes Schawuot versammelt hatten, als Sohn Gottes und Messias.

Der Autor der Apostelgeschichte, der Evangelist Lukas, gebrauchte die Erzählelemente der Ereignisse am Sinai (s.o.) für seine Schilderung des Geschehens am Pfingsttag. Insgesamt verdeutlicht er mehrere Aspekte christlichen Glaubens:

  • Was am Sinai für das jüdische Volk geschah, das wiederholte Gott an Pfingsten für alle Völker: eine neue Gesetzgebung, das Gesetz der Liebe für das neue Israel, die Kirche.

 

  • Die beim Turmbau zu Babel erfolgte Sprachverwirrung, die eine Folge der einseitigen Vermessenheit war, die Gottesnähe erzwingen zu wollen (vgl. Buch Genesis, Kapitel 11, Verse 1-9), wurde durch die eine Sprache des Geistes überwunden: Vertreter verschiedener Völker konnten die Apostel in ihrer Muttersprache hören, was verdeutlicht, dass Verständigung unter Menschen und zwischen Mensch und Gott neu möglich wurde. Gottes Geist ermöglicht wahres Miteinander, in dem wir uns trotz Verschiedenheit und Buntheit verstehen.
  • Die biblische Erzählung ist damit ein Hinweis auf die beginnende Mission der erwachenden Kirche und den Auftrag Jesu Christi, das Wort Gottes in alle Welt und in allen Sprachen zu verkünden. Damit wurde die Kirche frei zugänglich für jedwede Nationalität oder Ethnizität, die exklusive Bindung an das Judentum wurde aufgegeben, was die Missionsstrategie des Apostels Paulus bestätigte. Bisher geltende Grenzen wurden durch Gottes Tun überwindbar.
  • Die vorher so zerbrechlichen, zweifelnden und zaudernden Jünger sind durch Gottes Heiligen Geist verwandelt und in den Dienst genommen worden, so dass sie diesen Auftrag auch erfüllen können. Wer sich vom Geist Gottes treffen lässt, wird aufgerüttelt, wird befreit von Angst; wer „be-geist-ert“ ist, kann nicht schweigen, findet Gehör und wird verstanden.
  • Gott will seinen Heiligen Geist jedem schenken, der zu seinem Volk gehört; Kirche soll eine begeisternde Gemeinschaft sein.
  • Dieser Heilige Geist wurde und wird den Christen nicht als Privatbesitz gegeben, sondern ruft sie zu einem geistgemäßen Leben in der Welt und in der Kirche.

Das Pfingstereignis und unser Ambo

Der getaufte Christ wird dann bedingungslos ein Jünger Jesu Christi sein, wenn er vom Wort des Evangeliums getroffen und verwandelt wird. Dieses Bild unseres Ambos kann verstanden werden als entsprechender Aufruf an alle Hörer des Wortes Gottes, das im Gottesdienst vom Ambo vorgetragen wird, sich von diesem „treffen“ zu lassen.

Wie es an Pfingsten weiterging …

In seiner „Pfingstpredigt“ (vgl. Apostelgeschichte Kapitel 2, Verse 14-36) verwies Petrus zunächst auf die Verheißung des Geistes, die der Prophet Joel ausgesprochen hatte. Im Zentrum seiner Predigt steht die Verkündigung von Tod und Auferweckung Jesu Christi, des von Gott Erhöhten. Er beruft sich zur Begründung auf die Psalmen. Die Zuhörenden waren „mitten ins Herz“ getroffen, weshalb sie die Apostel fragten, was zu tun sei. Petrus forderte sie zur Umkehr und zur Taufe auf, woraufhin etwa 3.000 Menschen dieses Angebot an diesem Tag angenommen haben sollen.