St. Marien Frühstück wie bei Muttern

„Frühstück wie bei Muttern“, durchgeführt vom „Arbeitskreis Wohnungsnot“ (AKW)

Pfarrkirche St. Marien, Lüneburg

„Frühstück wie bei Muttern“, Termine im 2. Halbjahr 2024

Wir sind ein Kreis von ca. 12 Personen.

Wir bieten 14-tägig samstags einsamen Bedürftigen ein Frühstück an im Gemeindehaus St. Marien.

Die nächsten Termine können Sie hier erfahren (gegebenenfalls müssen Sie ein wenig suchen, z.B. indem Sie den Begriff „Frühstück“ in das Suchfenster eingeben und dann auf „Suchen“ klicken).

Wir treffen uns als Team vier Mal im Jahr, in den Räumen der Caritas.

Ansprechperson / Kontakt:

Renate Hoyos

Tel.: 04131 / 362 66

„Frühstücken wie bei Muttern“ – Eine segensreiche Initiative blickt auf 30 Jahre zurück (2024)

Klingt es nicht ein Stück nach guter alter Zeit, das Motto: „Frühstücken wie bei Muttern“? Und der Aspekt des Wohlfühlens, die Schaffung einer guten Atmosphäre, ein gastliches Ambiente, das Gefühl, willkommen zu sein … sie sind mindestens so bedeutsam wie Brötchen, Kaffee und Aufschnitt.

Seit nunmehr 30 Jahren wird „Frühstücken wie bei Muttern“ alle zwei Wochen in unserem Gemeindehaus angeboten und hat einen festen Stamm von regelmäßigen Besuchern (jeweils zwischen 20 und 30), aber auch immer wieder neue Gäste.

Was bewegt Menschen dazu, unser Angebot wahrzunehmen?

Sicherlich ist das Bedürfnis, ein umfangreiches, vielseitiges Frühstück einzunehmen, das kostenlos angeboten wird, bei wirtschaftlich knappen Verhältnissen eine Einsparmöglichkeit. Doch nicht ausschließlich der finanzielle Aspekt motiviert zu kommen. Das Gefühl der Einsamkeit ist ein nicht zu unterschätzendes Phänomen in unserer Gesellschaft. Hier trifft man sich, hier kommt man ins Gespräch, hier ist man nicht allein …
Auch wir vom Helferteam nehmen Platz an den Tischen, trinken einen Kaffee mit und essen ein Brötchen. Es ist schön, mit den Gästen ins Gespräch zu kommen, in direkter Weise zu erleben, wie Menschen sich freuen können und dankbar sind. Auch schwierige Besucher sind mitunter darunter, die dennoch nörgeln, schnellen Nachschub fordern, die Kaffeequalität in Frage stellen, obwohl sie freundlich bedient werden, aber unterschiedliche Lebensschicksale können Verdruss und Missmut bewirken – und das können wir ertragen.
Auch gewisse Rituale werden eingehalten. Die Tür zum Bonifatiusraum wird nicht vor neun Uhr geöffnet und es wird als Gruppe Einzug gehalten. Die Brötchenkörbe werden erst nach dem Gebet auf die einzelnen Tische verteilt. Es gibt „offiziell“ keine festen Plätze, aber einige Stammbesucher bevorzugen jeweils denselben Platz. Wenn einer der Stammbesucher fehlt, so wird auch des Öfteren nach ihm gefragt – ein gutes Zeichen der Aufmerksamkeit und des Gruppenidentitätsgefühls.
Das Helferteam (4 bis 5 Personen) trifft sich um acht Uhr. Bereits am Freitag werden Produkte von der „Tafel“ geholt, weitere Lebensmittel dazugekauft. Samstagmorgens werden auch die bestellten Brötchen abgeholt. Bis neun Uhr ist der Kaffee gekocht, weitere Getränke sind bereitgestellt, die Aufschnittplatten belegt, die Tische gedeckt. Nach dem Frühstück ist Küchendienst angesagt. Mitunter helfen auch Firmlinge, weitere ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde sind dringend erwünscht.

 

Doch wie kam es zu dieser Idee?
Unser Gemeindehaus bzw. unser Kirchengrundstück liegt dicht an der Lüneburger Innenstadt (also gut erreichbar), der Clamart-Park in direkter Nachbarschaft. Besonders in den Wintermonaten zeigt(e) sich, dass sich hier in unmittelbarer Nähe zu St. Marien auch Menschen aufhalten, die kein Zuhause als Rückzugsort, als gemütliche Wohnumgebung, als Treff für Familie und Freunde haben. Das Wort „arm“ kann auf sie in vielfacher Hinsicht zutreffen: in materieller Hinsicht, da ihnen Teilhabe an vielen Dingen verwehrt ist, in gesellschaftlicher Hinsicht, da sie sich keiner Gruppe zugehörig fühlen, in familiärer Hinsicht, da die Familienbande oft nicht mehr bestehen.
Nehmen wir da Worte aus der Bibel ernst, so sind die „Sieben Werke der Barmherzigkeit“ hoch anzusiedeln, wie „Hungrige speisen, Durstige tränken …“. Überträgt man die Werke der Barmherzigkeit in die heutige Zeit, so werden sie erweitert und ausgelegt auf jetzige Verhältnisse. Da heißt es beispielsweise: Du gehörst mit dazu, wir hören dir zu, wir teilen unsere Zeit und Gastfreundschaft mit dir … In diesem Sinne setzten sich Gemeindemitglieder für das „Frühstücken wie bei Muttern“ ein, in ganz besonderer Weise Johannes Meyer.
So selbstverständlich wie diese Initiative heute zum Bestandteil unserer St. Marien-Angebote (in Verbindung mit der Sieb&Meyer-Stiftung sowie der Caritas) gehört, so war damals wohl einige Überzeugungsarbeit notwendig. Sollte man das Gemeindehaus auch für Menschen mit prekärem sozialem Hintergrund und wenig bürgerlichen Verhaltensformen öffnen? Das machte Manchen aus der Gemeinde nachdenklich. Zum Glück überwogen die christlich-sozialen Überlegungen und das „Frühstücken wie bei Muttern“ konnte zu einer festen, inzwischen traditionellen Einrichtung für viele Menschen unterschiedlicher Ausgangslage werden.

 

Armut hat viele Gesichter, und so können wir dankbar sein, dass wir sensibilisiert sind für Nöte in der Gesellschaft, die einem einzelnen Menschen zusetzen. Schön, dass er dann den Weg in unser Gemeindehaus findet und sich dort willkommen fühlt – ohne Ausweis, Legitimation, Eintrittskarte …

Monika Korthaus-Lindner

(Dieser Artikel stammt aus unserem Gemeinde-Journal „Salz der Erde“, 2024/2, S. 9.)

Frühstück wie bei Muttern (Artikel von 2021)

… das klingt nach Vertrautheit, nach Gemütlichkeit, nach alten Gewohnheiten. Und dieses Gefühl von atmosphärischer Dichte will das Vorbereitungsteam auch vermitteln. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat bietet das Vorbereitungsteam der Caritas ein Frühstück im neuen Gemeindehaus an. Jeder ist willkommen! Manche sind seit Jahren „Stammgäste“, doch immer wieder schauen auch neue Gesichter vorbei.

Als das Frühstücksangebot vor 25 Jahren ins Leben gerufen wurde, wollte man Menschen, deren Lebensweg Brüche zeigt, die mit Armut und/oder Einsamkeit konfrontiert sind, ein Angebot machen. Es ist schön, Gemeinschaft zu erleben, sich willkommen zu fühlen, sich nicht für seine Anwesenheit rechtfertigen zu müssen. Es tut gut, ein reichhaltiges Frühstück einzunehmen, mit frischem Kaffee und Saft, mit knusprigen Brötchen, mit vielfältigem Aufschnitt, Obst und Snacks. Und auch ein belegtes Brötchen später mitzunehmen, ist kein Problem. Die Lebensmittel, die weitgehend von der „Tafel“ stammen, werden vom Vorbereitungsteam für das Frühstück vorbereitet. Die Tische sind gastlich eingedeckt, sodass gute Voraussetzungen für eine gemeinsame Mahlzeit geschaffen sind. Auch werden bestimmte Rituale eingehalten. Der Raum wird gemeinsam betreten, ein Tischgebet gesprochen, der Kaffee eingeschenkt. Dass sich das Vorbereitungsteam unter die Gäste mischt und mit frühstückt, gibt auch Gelegenheit zum Gesprächsaustausch, zum besseren Kennenlernen und Verstehen. Besonders in der kalten Jahreszeit ist ein solcher Auftakt ins Wochenende ein positiver Beginn. Im Lockdown musste das Frühstück ausfallen, was sehr bedauert wurde. Das Frühstück deckt Bedürfnisse von „Leib und Seele“ ab.

Denkt man an biblische Texte, so fällt auf, dass sich beim „Mahl halten“ gute Gelegenheiten für Gespräche, Lehren und Einsichten bieten. Auch unser „Frühstück wie bei Muttern“ gibt Chancen, Menschen zu erfreuen, ihnen konkret zu helfen, aber auch eine Willkommensatmosphäre zu vermitteln, die sie nicht allzu oft erleben.

AK „Frühstück wie bei Muttern“

(Dieser Artikel stammt aus unserem Gemeinde-Journal „Salz der Erde“, 2021/3, S. 7.)

„Frühstück wie bei Muttern“ – 400. Frühstück für bedürftige Menschen am 1. Oktober 2011

Seit über fünfzehn Jahren lädt der Arbeitskreis „Frühstück wie bei Muttern“ an jedem zweiten Samstag in das Gemeindehaus St. Marien ein. 400 Frühstücke sind so zusammengekommen, ausgerichtet von Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde St. Marien und des Caritasverbandes Lüneburg.

Angefangen hat alles vor über 20 Jahren: Ein Obdachloser hatte im eiskalten Winter auf einer Bank vor der Kirche geschlafen. Gemeindemitglieder um den damaligen Kaplan Sorge erkannten die Not und sahen die unhaltbaren Zustände im städtischen Obdach. Sie gründeten den Arbeitskreis Wohnungsnot, wandten sich an die Bewohner des Obdachlosenheims, halfen ihnen bei Problemen, säuberten Zimmer und renovierten Wohnungen. Im Winter stellten sie zusätzlich Wohncontainer als Notunterkunft auf dem Pfarrhof von St. Marien auf.

Johannes Meyer, inzwischen verstorbenes Gemeindemitglied und Lüneburger Unternehmer und seine Frau Brigitte, die bis heute aktive Helferin beim Frühstück ist, unterstützten den Arbeitskreis und spendeten eine größere Summe. Später entstanden zahlreiche Mietwohnungen und ein Haus mit Plätzen für wohnungslose Frauen.

 

Das erste Mal „Frühstück wie bei Muttern“ fand Anfang 1996 statt. Alle zwei Wochen kommen seither zwischen 30 und 55 Personen zum Frühstücken. Sie sind meistens nicht mehr wohnungslos, aber in jedem Fall bedürftig. Viele sind physisch und/oder psychisch krank, manche sind einfach einsam. Auch Alleinerziehende kommen mit ihren Kindern, Alte und Junge, Frauen und Männer.
Sie kommen, um ein ordentliches Frühstück zu erhalten: Wurst, Käse, auch einmal ein Rührei oder ein Würstchen finden sich auf dem schön gedeckten Tisch. Aber sie kommen auch, um nicht alleine zu frühstücken, sondern um in gemütlicher Atmosphäre Bekannte und Unbekannte zu treffen und sich zu unterhalten. Dazwischen sitzen dann auch die ehrenamtlichen Helfer, hören zu, plaudern mit und erfahren immer wieder, wie schnell das sogenannte „normale“ Leben aus den Fugen geraten kann.
An diesem besonderen, dem 400. Frühstück, gab es auch besondere Gäste. Die Landeszeitung war vertreten und auch der Pfarrer, Dechant Carsten Menges, nutzte die Gelegenheit zum Gespräch. Zur Feier des Tages gab es Rührei mit Schinken. Mehr als 50 Eier sind dafür fachmännisch zubereitet worden und wurden von den Besuchern mit Appetit verdrückt.
Die meisten sind Stammgäste, sie kommen schon seit vielen Jahren und freuen sich auf den festen Termin. An jedem zweiten Samstag in der Zeit von 9.00 Uhr bis 10.00 Uhr ist das Gemeindehaus der St. Marienkirche in der Friedenstraße offen für alle, die gerne in Gemeinschaft frühstücken wollen. Das Frühstück wird ausschließlich aus privaten Spenden finanziert. Sie sind herzlich eingeladen zu spenden, zu helfen oder einfach nur mit zu frühstücken!
[…]

Susanne Strätz, AK Wohnungsnot

(Dieser Artikel stammt aus unserem Gemeinde-Journal „Salz der Erde“ 2011/3, S. 12.)

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