Gottesdienste
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Telefonische Reaktionen auf unseren Fernsehgottesdienst (2025)
Gerade in der Coronazeit habe ich gern das Angebot der Fernsehgottesdienste genutzt. Ich fand und finde es nach wie vor großartig, wie viele Menschen – besonders wenn ihr Bedürfnis dafür ausgeprägt ist – auf diese Weise teilhaben können. Nachdem am Palmsonntag aus unserer Marienkirche der Gottesdienst im ZDF ausgestrahlt wurde, habe ich erst einen Einblick in die vielfältigen Vor- und Nachbereitungen einer solchen Sendung erhalten. Ein kleiner Dienst, den ich neben anderen Freiwilligen übernahm, war der Telefondienst. Ich selbst hatte ihn nach anderen Fernsehgottesdiensten schon einige Male in Anspruch genommen, mal einen Kirchenführer bestellt, mal einen Gebetstext, mal die Kopie einer vorgestellten Textseite, und das lobend hervorgehoben, was für mich besonders positiv und nachhaltig war.
Nun klingelte ab 14 Uhr bei mir das Telefon. Die ersten Anrufer lobten die gelungene Gesamtkonzeption des Gottesdienstes. Die musikalische Gestaltung war für fast alle Anrufer hervorhebenswert. Viele freuten sich über die ansprechende Predigt, das Zusammenwirken der Messdiener/innen, die rege Beteiligung der Gemeinde, aber auch den auf Vorleser/innen verteilten Evangeliumstext. „Der Gottesdienst war wie aus einem Guss!", lobte eine Anruferin.
Irritiert war ich über die Anfrage eines Anrufers, dessen erste Frage lautete: „Wo liegt Gandersheim?“ Als eine weitere Anruferin mich bat, die Geschichte der Gandersheimer Madonna nochmals zu erzählen, wurde mir klar, dass es einen Einschub für die Zuschauenden gegeben hatte. Als ich mir die Übertragung später einmal anschaute (ich selbst war im Gottesdienst live dabei), konnte ich den Einschub während der Kommunionausteilung – sehr nachdrücklich und ausdrucksstark von Frau Huerkamp vorgetragen – für die Anrufenden einordnen.
Insgesamt war es ein sehr positives Echo. Auch ein „Kirchennörgler“ war dabei, dem der Gottesdienst zwar gefallen hatte, der die Kirche aber wegen der Missbrauchsgeschehnisse immer negativer betrachtete. Ein Anrufer nannte mir seine Telefonnummer und bot mir eine Kirchenführung im Aachener Dom an, da ich auf seine Fragen zum Kirchbau umfassend geantwortet hätte. Eine ältere Dame nutzte den Telefondienst als Informationsstelle für soziale Seelsorgedienste. Die Gesprächszeit, die man mit ihr verbrachte, war schon ein Stück Vorbereitung für die Weiterleitung von Telefonseelsorgenummern.
Zusammenfassend ziehe ich für meinen Telefondienst folgendes Fazit:
- Das Erleben von musikalischen Darbietungen im Rahmen des Gottesdienstes scheint viele Menschen anzusprechen und zu berühren.
- Menschen sind dankbar für spirituelle Impulse.
- Ein Gottesdienst wird sehr ganzheitlich wahrgenommen.
- Es wird deutlich mehr gelobt als kritisiert.
Aus meiner Sicht spricht die Kirche mit Fernsehgottesdiensten viele Menschen an, die Gottesdienste nicht mehr persönlich besuchen können. Er bildet auf diese Weise eine wertvolle Brücke. Erzählte Geschichten (s. Sachgeschichte zur Gandersheimer Madonna) werden gern und positiv assoziiert. Dass die Übertragungen aus allen geographischen Teilen Deutschlands und Österreichs kommen (ebenso die Anrufer), macht Wiederkehrendes, wie die Struktur des Gottesdienstes, aber auch gegendspezifische Besonderheiten offenkundig. Es haben überwiegend ältere und auch sehr alte Menschen angerufen. Vielen ist es ein Bedürfnis, positiv erlebte Eindrücke auf diese Weise weiterzugeben.
Es ist meiner Ansicht nach schön und sinnvoll, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen regelmäßig und zu verlässlicher Zeit Fernsehgottesdienste ausstrahlt.
Monika Korthaus-Lindner
Dieser Artikel stammt aus unserem Gemeinde-Journal „Salz der Erde“ 2025/2, S. 17.

