Der Kreuzweg

Ein kleiner Rundgang durch unserer Pfarrkirche St. Marien

Der Kreuzweg des Künstlers Josef Baron – Eine kurze Hinführung

Beachten Sie bitte auch unsere Artikel über die Geschichte der Umbauarbeiten des Altarbereichs und über den Zusammenhang der Kunstwerke untereinander.

 

Eine kleine Einführung

In den meisten katholischen Kirchen sind an den Seitenwänden gut sichtbar 14 Kreuzwegbilder angebracht. Mehr oder weniger kunstvoll stellen sie einzelne Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu Christi dar, angefangen von seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zu seiner Grablegung. Diese Kreuzwegbilder können aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt worden sein: aus Holz geschnitzt; aus Stein gehauen; aus Ton gebrannt; aus Emaille angefertigt; als einzelne Gemälde gemalt …

Der Kreuzweg in St. Marien

Unsere 14 Kreuzweg-Stationen wurden von dem Künstler Josef Baron angefertigt und sind als fast quadratische Bronzereliefs in Augenhöhe rund um den Kirchenraum angebracht. Auf Anregung des damaligen Domkapitulars Bernward Treuge gestaltete Josef Baron den Kreuzweg in der Form von Schaukästen mit szenischen Darstellungen – flache Medaillons an der Wand hätten weit weniger Wirkung erzielt. Am 9. Oktober 1977 wurden sie durch Domkapitular Treuge geweiht.

Die 14 Kreuzweg-Stationen sind im Wachsausschmelzverfahren hergestellt worden, das auch „Guss aus der verlorenen Form“ genannt wird und in Westafrika weit verbreitet ist. Bei dieser uralten Technik wird der Entwurf einer Figur in Wachs geformt, danach mit Ton ummantelt und schließlich erhitzt. Dabei fließt das Wachs aus, und die gehärtete Hohlform aus Ton wird mit flüssigem Metall gefüllt. Nach dessen Härtung wird der Ton abgeschlagen. Damit ist jedes Stück einmalig, ein Unikat, kann aber auch nach dem Guss nicht mehr korrigiert werden (bzw. nur durch Anfertigung eines komplett neuen Entwurfs). Finanziert wurde unser Kreuzweg durch Spenden der Gemeinde.

Unser Kreuzweg beginnt vorne rechts vor dem Chorbereich und läuft im Uhrzeigersinn weiter, bis er vorne links vor dem Chorbereich endet. Diese Erinnerung an Karfreitag, an das Leiden und Sterben Jesu Christi, umschließt die ganze Gemeinde. Von jeder Bankreihe aus hat man einzelne Stationen im Blickfeld, Bilder von großer Ausdruckskraft. Diese Ausdruckskraft erreichen die Kreuzwegbilder vor allem durch ihre ungewöhnliche Form. Auf Anregung des damaligen Regens am Hildesheimer Priesterseminar, Domkapitular Treuge, gestaltete Josef Baron den Kreuzweg in der Form von Schaukästen mit szenischen Darstellungen – flache Medaillons an der Wand hätten weit weniger Wirkung erzielt. So kann man sich in ein szenisches Bild hinein vertiefen und beim Betrachten seinen eigenen Platz im Geschehen ausmachen: Welche Rolle hätte ich gespielt, wo finde ich meinen Platz, wenn ich mir der Kreuzwege der Menschen in unserer Zeit bewusst werde?