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Liturgische Haltungen | St. Marien, Lüneburg

Liturgische Haltungen

Sitzen – Stehen – Knien

„Das ist ja eine sportliche Veranstaltung hier!“ sagte ein Gast beim Verlassen der Kirche nach einem Gottesdienst in der katholischen Kirche.

„Auf und nieder immer wieder …“ umschreiben andere die liturgischen Haltungen in unseren Gottesdiensten scherzhaft. Aber warum? Alles hat natürlich seinen Sinn.

Das Stehen ist ein Zeichen der Aufmerksamkeit und der Höflichkeit. Kommt jemand herein, steht man auf, wendet sich ihm zu und begegnet ihm mit Aufmerksamkeit. So ist es auch in der Kirche. Das Stehen ist die Haltung des Gebets, des Gesprächs mit Gott. Im Buch Ezechiel spricht Gott: „Menschensohn, stell dich auf deine Füße, ich will mit dir reden!“(Ez 2,1) Wenn wir im Gottesdienst vor Gott stehen, ist das ein Zeichen der Kommunikation: Am Anfang zur Begrüßung; beim Evangelium, in dem Jesus mit uns spricht; bei den Gebeten; wenn wir den Segen empfangen.

Das Sitzen ist die Haltung des Zuhörens. Wir sitzen bei der Lesung und bei der Predigt. Auch zur stillen Besinnung (z.B. nach der Kommunion) kann man sitzen.

Die wohl ungewohnteste Haltung ist das Knien. Es ist für viele nicht nur körperlich anstrengend oder sogar schmerzhaft. Es kommt auch sonst in unserem Lebensalltag nur noch selten vor. Zunächst einmal bedeutet es: Ich mache mich klein. Das kann praktische Gründe haben, wenn ich z.B. am Boden arbeite oder etwas aufheben will. Es kann aber auch bedeuten: Ich mache mich bewusst vor jemandem klein. In früheren Zeiten haben Menschen sich vor allem vor ihrem Landesherrn oder König niedergekniet, um ihn zu ehren und zu signalisieren: Ich erkenne an, dass Du größer bist, höher stehst als ich.

Wenn man dem König begegnete, verbeugte man sich tief vor ihm oder kniete vor ihm nieder. Diese Haltung hat in die katholische Liturgie Eingang gefunden. Wenn wir die Kirche betreten, machen wir in der Regel zunächst eine Kniebeuge in Richtung Altar oder Tabernakel. Wir signalisieren damit: Christus ist unser Herr und König. Und so wie wir jemanden anschauen, wenn wir ihn begrüßen, so schauen wir bei der Kniebeuge in Richtung Altar oder Tabernakel.

Das Knien bei der Wandlung stammt aus einer Zeit, in der die Gläubigen vor allem „Zuschauer“ waren. Der Priester hat in Latein das Hochgebet gesprochen, kaum jemand hat etwas verstanden, manche haben nebenbei den Rosenkranz gebetet und man hat ehrfürchtig und anbetend das Geheimnis der Wandlung wahrgenommen. Liturgie-Professoren sind heute oft der Ansicht, dass bei der Wandlung alle stehen sollten. Wir sind gemeinsam mit dem Priester Träger der Liturgie, auch wenn der Priester bzw. der Diakon den Sprechanteil übernimmt. Und da wir in der Eucharistie des Todes und der Auferstehung des Herrn gedenken, wäre es angebracht, als österliche Menschen mindestens in der Osterzeit während der Wandlung zu stehen.

Manch einer mag sich nicht trauen stehen zu bleiben, weil er dadurch den hinter ihm Knieenden den Blick zum Altar versperrt. Da gilt es einfach, ein wenig aufeinander zu achten. Und manch einer mag körperliche Probleme haben, lange zu stehen oder zu knien. Dann wird der Herr sicher auch nicht böse sein, wenn man sich hinsetzt. Er weiß ja, wie es uns geht. ;-)

Also: Liturgische Haltungen haben ihren Sinn, aber es gibt keine Regel ohne Ausnahme. Es geht nicht ums starre Einhalten von Formen. Sie wollen und sollen unseren Glauben fordern und zum Ausdruck bringen. Von daher machen sie nur Sinn, wenn wir sie bewusst anwenden. Ganz schön sportlich, oder?

Carsten Menges

Dieser Artikel stammt aus unserem Gemeinde-Journal „Salz der Erde“ 1/2019, S. 18.